Aus dem Podcast

Freude und Frieden in der Mittelmäßigkeit:
der Mythos vom Next Big Thing.

„Und, was ist Dein nächstes großes Ding?" Kaum eine Frage erzeugt bei Selbständigen so zuverlässig Druck. In dieser Podcast-Episode geht es darum, warum die Idee vom Next Big Thing oft mehr stresst als inspiriert, und wie Du stattdessen Freude und Frieden in der Mittelmäßigkeit findest: im mühelosen Kreieren, Schritt für Schritt.

Meine Erfahrung ist: Inspiration macht nicht müde. Wenn ich aus echter Inspiration heraus arbeite, kann ich lange konzentriert dranbleiben, ohne mich auszulaugen. Was müde macht, ist etwas anderes, die Idee, das nächste große Ding starten oder erreichen zu müssen. Genau diesen Unterschied nehme ich mir in der Episode vor.

🎧 Diese Episode im Podcast anhören: Freude und Frieden in der Mittelmäßigkeit & der Mythos vom Next Big Thing Effortless Creation, der Insight-Coaching-Podcast (pod.co)

Der Mythos vom Next Big Thing

Der Gedanke „Ich muss mein nächstes großes Ding starten" klingt nach Antrieb. Tatsächlich wirkt er bei vielen eher wie eine angezogene Handbremse: Er erzeugt Stress und Blockaden, und er nimmt dem Arbeiten die spielerische Leichtigkeit. Statt zu bauen, was gerade dran ist, vergleichst Du jede Idee mit einem imaginären großen Wurf. Und fast jede Idee verliert diesen Vergleich.

Das Muster dahinter kennst Du vielleicht schon: die Erfolgsmarke, die immer weiterwandert. Kaum ist ein Ziel erreicht, zählt es nicht mehr, das nächste große Ding steht schon bereit. Wohin das auf Dauer führt, habe ich in Burnout trotz Erfolg ausführlich beschrieben. In dieser Episode geht es um die Alternative: Was passiert, wenn Du die Idee von großen Zielen und Erfolgen selbst hinterfragst, und Dich stattdessen auf die Schritte im Hier und Jetzt konzentrierst?

„Big Things", „Small Things", wer legt das eigentlich fest?

In der Episode erkunde ich einen einfachen, aber unbequemen Gedanken: „Groß" und „klein" sind keine Eigenschaften der Dinge selbst. Es sind Konzepte. Bewertungen, die wir nachträglich vergeben, und zwar höchst subjektiv. Was heute als großer Erfolg gefeiert wird, bestand in der Umsetzung aus lauter unspektakulären Einzelschritten: Gespräche, Entwürfe, Korrekturen, noch ein Anlauf.

Das „große Ding" existiert nur im Rückblick. Gearbeitet wird immer im Kleinen, ein Schritt nach dem anderen.

Wenn das stimmt, gibt es streng genommen nichts Großes zu erreichen, nur den nächsten Schritt zu tun. Das ist keine Ausrede für Beliebigkeit, sondern eine Entlastung: Du darfst Frieden mit der sogenannten Mittelmäßigkeit schließen, während aus vielen kleinen Schritten etwas wächst, das andere später vielleicht „groß" nennen. Oder auch nicht. Beides ist in Ordnung.

Ideen teilen statt Größe jagen

Ein zweiter Gedanke aus der Episode ist die Unterscheidung zwischen physischem Making und ideellem Creating. Making ist das Umsetzen. Hände, Tastatur, To-do-Liste. Creating beginnt früher: bei Ideen. Und Ideen haben eine eigene Kraft: Wenn Du eine Idee teilst und andere sie mittragen, vermehrt sich ihre Kraft und breitet sich aus, in Dir und in denen, die sie aufnehmen. Kreieren ist so gesehen weniger ein Kraftakt als eine Übertragung. Dafür muss nichts „groß" sein. Es muss nur echt sein und geteilt werden.

Entspannung und Freude im Hier und Jetzt

Der vielleicht wichtigste Punkt: Die Idee vom Next Big Thing zieht Deine Aufmerksamkeit genau aus dem Moment ab, in dem tatsächlich gearbeitet, entschieden und gelebt wird. Freude gehört aber in die Handlung selbst, nicht ans Ende einer Zielgeraden, die ohnehin immer weiterrückt. Mit Achtsamkeit und Klarheit lässt sich spürbar mehr Leichtigkeit und Freude in den Alltag einladen: nicht weil die Aufgaben andere werden, sondern weil der Druck fehlt, der sie schwer gemacht hat.

Wenn der Gedanke wieder auftaucht

„Ich muss das nächste große Ding starten" wird wiederkommen. Gedanken lassen sich nicht abschalten. Was Du ändern kannst, ist der Umgang damit: Beobachte Dich selbst, wenn der Gedanke auftaucht. Was löst er in Dir aus? Wo entsteht Enge, wo Druck, wo der Impuls, Dich zu vergleichen? Allein dieses Hinschauen schafft Abstand zu den eigenen Stressauslösern. Wenn Du den Satz darüber hinaus ernsthaft prüfen willst, ist The Work von Byron Katie ein nüchternes Werkzeug dafür, vier Fragen, schriftlich, ohne Räucherwerk.

Loslassen heißt danach nicht, keine Ziele mehr zu haben. Es heißt, freundlicher mit Dir zu arbeiten: weniger Druck, mehr Spiel. Eng verwandt ist übrigens die Angst, etwas zu verpassen, dazu gibt es einen eigenen Artikel: FOMO überwinden.

Reflexionsfragen aus der Episode

Nimm Dir ein paar Minuten und ein Blatt Papier. Es gibt keine richtigen Antworten: nur ehrlichere.

  1. Wo hat der Glaube, das nächste große Ding starten zu müssen, bei Dir Stress und Druck verursacht?

    Und wie bist Du bisher damit umgegangen?

  2. Hält Dich die Vorstellung vom Next Big Thing von der Freude und Leichtigkeit des gegenwärtigen Moments ab?

    Was beobachtest Du da konkret bei Dir?

  3. Welche stressigen Gedanken erzeugen große Ziele und Erfolge bei Dir?

    Wie kannst Du diese Gedanken identifizieren und verstehen lernen?

  4. Jede „große Errungenschaft" besteht aus kleinen, aufeinanderfolgenden Schritten.

    Wie siehst Du das, ist das auch Deine Erfahrung?

  5. Welche Gedanken und Geschichten halten Dich davon ab, im Hier und Jetzt in der „Mittelmäßigkeit" zufrieden zu sein?

    Welche Gedanken hast Du zu dieser Perspektive?

  6. Wie kann es Dir gelingen, Dich bewusst auf den Moment zu konzentrieren und Freude zu empfinden, auch mit einem „großen Ziel" vor Augen?

    Notier Dir, was Dir dazu einfällt, ohne es zu bewerten.

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