Der Mythen-Check

Accountability Gruppen und das Erreichen von Zielen:
die Studie, die es nicht gibt.

Forbes und eine ganze Reihe anderer Blogs zitieren eine Studie zum Einfluss von Accountability Gruppen auf das Erreichen von Zielen: angeblich bis zu 95 % Erfolgswahrscheinlichkeit, wenn Dich jemand accountable hält. Ich wollte die Studie lesen, und habe bei der angeblichen Quelle nachgefragt. Die Antwort hat mich erstmal laut lachen lassen.

Die These klingt plausibel: Wenn Du Deine Ziele jemandem mitteilst, Dich regelmäßig mit der Person austauschst und Deinen Fortschritt teilst, erreichst Du Deine Ziele mit einer um ein Vielfaches höheren Wahrscheinlichkeit, als wenn Du sie nur still für Dich setzt. Als Beleg verweisen „alle" auf eine Studie der American Society for Training and Development (ATD), und auf diese Zahlenreihe:

  • 10 %Du hast eine Idee oder ein Ziel.
  • 25 %Du entscheidest Dich bewusst, es zu tun.
  • 40 %Du entscheidest, wann Du es tun wirst.
  • 50 %Du planst, wie Du es tun wirst.
  • 65 %Du verpflichtest Dich gegenüber jemandem, es zu tun.
  • 95 %Du hast einen festen Accountability-Termin mit der Person, der Du Dich verpflichtet hast.

Klingt verlockend einfach. Eine Sache hat mich allerdings stutzig gemacht: Kein einziger der Artikel, die auf diesen Research verweisen, verlinkt die eigentliche Quelle. Kein Link zur Studie, nirgends. Also habe ich direkt bei der ATD nachgefragt, ob und wo diese Studie zu finden ist.

Die Antwort der ATD

Die Antwort vom Associate Director of Research ließ nicht lange auf sich warten:

„Hallo Thomas, vielen Dank, dass du dich wegen dieser Studie gemeldet hast. Leider wurde diese Studie über die Jahre fälschlicherweise der ATD (ASTD) zugeschrieben. Wir wissen nicht, wer die Studie durchgeführt hat oder woher die Daten ursprünglich stammen. Bitte lass mich wissen, ob du weitere Fragen hast. Vielen Dank, Rocki" Antwort der ATD-Research-Abteilung auf meine Anfrage
Die meistzitierten Prozentzahlen der Accountability-Welt, und die angebliche Quelle sagt selbst: Wir waren es nicht, und wir wissen auch nicht, wer.

Heißt das, dass Accountability Gruppen nicht funktionieren oder weniger effektiv sind, nur weil dieser Research nicht existiert, oder zumindest nicht bei der ATD? Natürlich nicht. Heißt es, dass wir gerne Dinge glauben, ohne sie zu überprüfen? Vermutlich schon.

Drei Regeln, die sich daraus ableiten lassen

Warum ich Dir das erzähle? Weil sich aus dieser kleinen Recherche mindestens drei brauchbare Regeln fürs Leben ableiten lassen. Auf der äußeren Ebene:

  1. Glaub nicht alles, was Du liest.

    Auch nicht, wenn es überall steht und eine präzise Prozentzahl dranhängt.

  2. Mach Deine eigenen Erfahrungen.

    Und folge dem, was Dir nachweislich hilft, nicht dem, was am häufigsten zitiert wird.

  3. Frag nach, wenn Du unsicher bist.

    In diesem Fall hat eine einzige E-Mail an die Quelle gereicht.

Die innere Ebene: die Studien, die wir uns selbst erzählen

Es gibt noch eine zweite Ebene, auf der wir ziemlich unschuldig Dinge glauben, ohne sie je zu prüfen: unsere eigenen Gedanken. Häufig sind das selbstschädigende Überzeugungen, die uns stressen, anstrengen und genau das blockieren, was eigentlich mühelos laufen könnte. Ein paar Klassiker:

„Ich bin nicht gut genug." „Es muss perfekt werden." „Ich sollte schon weiter sein." „Andere sind besser als ich." „Ich habe diesen Erfolg nicht verdient." „Ich werde bald entlarvt." „Ich habe nur Glück gehabt." „Ich muss meinen Purpose finden." „Ich darf nicht scheitern." „Ich muss eine Antwort haben." „Ich habe nicht genug Geld." „Mein Wert hängt von meinem Kontostand ab."

Eine längere Liste mit 111 verbreiteten stressigen Glaubenssätzen habe ich Dir hier verlinkt. In meiner Erfahrung hilft so eine Liste, Gewahrsein für die eigenen stressigen Überzeugungen zu entwickeln, und das ist ein guter Start, um sie aufzulösen. Wie man einen solchen Satz dann systematisch prüft, habe ich im Artikel über The Work von Byron Katie beschrieben: vier Fragen, ein Blatt Papier.

Die drei Regeln von oben lassen sich auf diese innere Ebene übertragen:

  1. Glaub nicht alles, was Du denkst.

    Insbesondere das, was sich limitierend und stressig anfühlt.

  2. Entdecke Deine eigene Wahrheit.

    Und folge dem, was Dir hilft und sich ehrlich und stimmig für Dich anfühlt.

  3. Halte inne und frag nach, bei Dir selbst.

    Wenn Du gestresst, unsicher oder blockiert bist, statt dem lautesten Gedanken sofort zu glauben.

Und was heißt das jetzt für Accountability Gruppen?

Ehrliche Antwort: Auch wenn die ATD offenbar nie eine Studie zur Effektivität von Accountability Gruppen gemacht hat, aus eigener Erfahrung bin ich mir ihrer Wirkung ziemlich sicher. Eine Gruppe, die sich gegenseitig beim Erreichen ihrer Ziele unterstützt und accountable hält, ist in meinem Erleben sehr kraftvoll und inzwischen fester Bestandteil meiner Begleitungen und Mentorings. Ob sie für Dich funktioniert, findest Du am besten selbst heraus, siehe Regel 2.

Und weil gesunde Skepsis das eigentliche Thema dieses Artikels ist: Der gleiche nüchterne Blick, mit dem Du zitierte Studien prüfst, hilft Dir auch bei der Frage, wem Du Deine innere Arbeit anvertraust. Woran Du seriöse Begleitung erkennst, habe ich separat aufgeschrieben.

Falls Du einen Einstieg in die innere Arbeit suchst: Auf YouTube findest Du mein kostenloses Videotraining „Vom Survival Modus, Selbstzweifeln & Mangel in deine Abundance & Creator-Genius Zone kommen".

Lieber gemeinsam prüfen statt weiter glauben?

60 Minuten, Video-Call, 0 €. Wir nehmen einen Deiner stressigen Gedanken und schauen ihn gemeinsam nüchtern an, und Du merkst selbst, ob Dir diese Arbeit etwas bringt. Kein Druck, nur Wert.

Kostenloses Kennenlern-Gespräch